Die Pfadfinder
Was sind Pfadfinder?

Auf diese Frage sind die wenigsten Leute um eine Antwort verlegen. "Pfadfinder", das sind doch die mit der täglichen guten Tat und der "Uniform". So lautet wohl eine gängige Antwort. Wenn damit schon alles gesagt wäre. Denn zum einen gibt es da neben den Pfadfindern auch die Pfadfinderinnen. Und zum andern ist in der Bundesrepublik Deutschland im Gegensatz zu manch anderen Ländern kein einheitlicher Pfadfinderverband vorhanden, denn seit dem Beginn der Pfadfinderarbeit in Deutschland 1909 hat es unterschiedliche Ströme innerhalb dieser Bewegung gegeben. Ein Ergebnis dieser wechselhaften Geschichte ist es, daß wir heute, abgesehen von vielen kleineren Pfadfinderbünden, vier große Verbände in Deutschland haben, die alle Mitglied in wenigstens einer der beiden Weltorganisationen der Pfadfinder(innen)bewegung WOSM und WAGGGS sind. Zwei katholische (DPSG und PSG), einen überkonfessionellen (BdP) und den Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) als evangelischen Verband.
Ganz bestimmt sind Pfadfinder auffällig, denn sonst wären wir nicht so häufig im Bewusstsein der Leute. Diese Auffälligkeit verdanken wir der pfadfinderischen Methode, die uns von anderen Jugendgruppen deutlich unterscheidet.
Die Methode der Pfadfinder

Die Pfadfinderbewegung ist eine Jugendbewegung, die sich einer bestimmten Methode der Erziehung junger Menschen bedient. Hier sollen kurz die wesentlichsten Ziele beschrieben werden:
  • Der Einzelne soll eine persönliche Beziehung zu Gott entwickeln
  • Der Einzelne soll seine Veranlagungen und Fähigkeiten optimal entwickeln
  • Der Einzelne soll lernen verantwortungsbewußt zu handeln
  • Der Einzelne soll sich zu einem politisch denkenden und handelnden Menschen entwickeln
  • Der Einzelne soll lernen Eigeninitiative zu entwickeln
  • Der Einzelne soll ein Ich- und Gruppenbewußtsein entwickeln
  • Der Einzelne soll erkennen, daß Frieden eine Grundbedingung seiner Existenz ist und soll sich in besonderer Weise dafür einsetzen

Ähnliche Ziele verfolgen auch andere Jugendorganisationen. Das eigentlich Originelle der Pfadfinderbewegung liegt deshalb nicht so sehr in ihren Zielen, als in ihrer erzieherischen Methode. Der Gründer der Pfadfinderbewegung Lord Baden-Powell spricht von der pfadfinderischen Methode als einem "System fortschreitender Selbsterziehung".
Dazu gehören im einzelnen:

Das Gruppensystem: Die kleine überschaubare, feste Gruppe ermöglicht die Berücksichtigung und Förderung der Eigenarten eines jeden Sippenmitglieds. In ihr erlernt der/die Einzelne soziale Verhaltensweisen. Er/sie übernimmt verantwortlich Aufgaben und gewinnt durch ihre Erfüllung Anerkennung und Selbstbewußtsein.

Gesetz und Versprechen: In Gesetz und Versprechen werden die Grundlagen deutlich, denen wir uns als Pfadfinder(innen) verpflichtet fühlen. Sie sind mehr als ein Appell an das "fairplay-Empfinden" der Kinder und Jugendlichen. Sie sollen jedem Mitglied der Sippe eine Lebensorientierung geben und beim Aufbau eines eigenen Wertesystems behilflich sein.

Lernen durch Tun: Pfadfinderische Erziehung beruht auf der Einsicht, daß man durch Tun lernt, d.h. die pfadfinderische Pädagogik bedient sich hauptsächlich des Erlebnisses und der Selbstständigkeit, um bestimmte Lernvorgänge in Gang zu setzen.

Das Spiel: Baden-Powell nennt die Pfadfinderbewegung ein großes Spiel. Durch den Spieltrieb werden wichtige Inhalte des menschlichen Zusammenlebens und der eigenen Persönlichkeitsentwicklung eingeübt.

Das Leben in der freien Natur: Lager ermöglichen eine gleichmäßige und gleichgewichtige Entwicklung von körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Außerdem werden viel eher Elementarerfahrungen wie Licht, Dunkelheit, Gewitter, Regen, Kälte, Feuer, Alleinsein, Freude, Glück und Angstempfinden gewonnen, die für den Aufbau einer tieferen Gefühlswelt wichtig sind. Zudem fordern Lager die Jugendlichen zu einem einfachen und sachgerechten Leben auf ("einfacher Lebensstil").

Die Übernahme von Verantwortung durch den Einzelnen: Gerade das System der kleinen Gruppe ist, wenn es funktionieren soll, darauf angewiesen, daß sich jeder engagiert, daß jeder Teile der Arbeit übernimmt und verantwortet. Die Sippe bietet so einen guten Rahmen, demokratische Verhaltensweisen und Engagement einzuüben, Tugenden, auf die ein funktionierendes Staatswesen unserer Prägung nicht verzichten kann.

Die Förderung der Neugier im Menschen: Bereits im Wort "Pfadfinder" steckt die Bedeutung von "Neues entdecken", "Grenzen überwinden", "neue Wege suchen". Deshalb muß die schöpferische Neugier bei uns Platz haben. Dabei ist allerdings zu bedenken, daß man neue Ufer nur von einem festen Ausgangsort aus gewinnen kann!
Die Pfadfinderkluft

Die Kluft ist es, an der man den Pfadfinder am ehesten erkennt. Obwohl sie tatsächlich militärischen Ursprungs ist (sie wurde den Diensthemden südafrikanischer Polizisten nachempfunden), wird sie fälschlicherweise oft als "Uniform" bezeichnet, was sie aber nicht sein soll und darf. Sir Baden-Powell, der Gründer der Pfadfinderbewegung, benötigte 1907 eine einfache und praktische Kleidung für seine Boy-Scouts und hielt diese Form für geeignet.
Hier zunächst 5 gute Gründe, warum wir überhaupt eine Kluft tragen:
  • Sie ist Erkennungszeichen der Pfadfinder in der Öffentlichkeit, denn viele Menschen erkennen uns erst, wenn wir in Kluft auftreten als Pfadfinder(innen). Ein gewisser Werbeeffekt ist dabei auch durchaus beabsichtigt.
  • Sie ist Erkennungszeichen der Pfadfinder untereinander, denn in Deutschland gibt es viele verschiedene Pfadfindergruppierungen (Bünde und Verbände). An der Farbe des Hemdes und der Bundeslilie auf der Brusttasche erkennt man die Bundes-/Verbandszugehörigkeit des Trägers.
  • Sie verdeckt soziale Unterschiede, denn in einer Zeit, wo es notwendig zu sein scheint, dass man teuere Klamotten trägt, um von anderen anerkannt zu werden, ist die Kluft geeignet, diese äußeren Unterschiede in der Gruppe zu verdecken. Bei uns kommt es nicht auf die Marke der Kleidung und teures Outfit an.
    Wichtig ist der Mensch in der Kluft und nicht sein Äußeres.
  • Sie ist Symbol unserer Gemeinschaft, denn ebenso wie ein Trikot in einem Sportverein die Zugehörigkeit zu einer Gruppe erkennen lässt, ist die Kluft das Symbol der weltweiten Gemeinschaft der Pfadfinder(innen).
  • Sie ist Arbeitskleidung für alle Gelegenheiten, damit auf Lagern nicht die besten Klamotten eingesaut werden. Zudem lässt sich das Halstuch, welches standardmäßig zur Kluft gehört, sehr vielseitig einsetzen.
Berühmte Pfadfinder
  • Norbert Blüm: MdB, Arbeitsminister a.D.
  • Queen Elizabeth II: Königin von England
  • Carrie Fischer: Schauspielerin
  • James Stewart: Schauspieler
  • Mariah Carey: Sängerin
  • Hillary Clinton: Ehemals First Lady der USA
  • Werner Heisenberg: Nobelpreisträger 1932
  • Steven Spielberg: Regisseur, Produzent
  • Carl XVI Gustav von Schweden: König von Schweden
  • George Michael: Sänger
  • Henry "Hank" Aaron: Baseball Superstar
  • Harald Schmidt: Showmaster
  • John Major: ehem. Premierminister in England
  • Neil Armstrong: Astronaut und erster Mann auf dem Mond
  • Jim Morrison: Rock Legende
  • Wolfgang Clement: Bundesminister Wirtschaft und Arbeit
  • Bill Clinton : U.S. Präsident a.D.
  • Paul McCartney: Musiker, Entertainer
  • William C. DeVries: transplantierte das erste künstliche Herz
  • Gerald Ford: 36ter Präsident der Vereinigten Staaten
  • James Lovell: Astronaut der Apollo 13 Mission
  • Bill Gates: Microsoft-Gründer und reichster Mann der Welt
  • Harrison Ford: Schauspieler
  • John F. Kennedy: 35ter Präsident der Vereinigten Staaten
  • Richard Gere: Schauspieler
  • Thomas Gottschalk: Showmaster

Von 214 ehemaligen und gegenwärtigen Astronauten/innen waren 142 Pfadfinder/innen.
Die 10 Pfadfindergesetze (DPSG 1930)
  • Auf die Ehre eines Pfadfinders kann man unerschütterlich bauen
  • Der Pfadfinder ist treu Gott, der Kirche und dem Vaterland
  • Der Pfadfinder ist hilfsbereit
  • Der Pfadfinder ist Freund aller Menschen und Bruder aller Pfadfinder
  • Ein Pfadfinder ist höflich und ritterlich
  • Der Pfadfinder schützt Pflanzen und Tiere
  • Der Pfadfinder gehorcht aus freiem Willen und macht nichts halb
  • Der Pfadfinder ist stets guter Laune auch in Schwierigkeiten
  • Der Pfadfinder ist sparsam und einfach
  • Der Pfadfinder ist rein in Gedanken, Worten und Werken
The Scout Law (Baden Powell 1907)
  • A Sout's honour is to be trusted
  • A Scout is loyal to the King and his country
  • A Scout's duty is to be useful and to help others
  • A Scout is a friend to all, and a brother to every other scout
  • A Scout is courteous
  • A Scout is a friend to animals
  • A Scout obeys orders of his parents, Patrol Leaders or Scoutmaster without question
  • A Scout smiles and wistles under all difficulties
  • A Scout is thrifty
  • A Scout is clean in thought,word and deed